Die Legende der Hüterin

Einst kannte man sie als Lady Lea, als Savash Nebula, eine Tochter Almessas, deren Geist so scharf wie eine Klinge und deren Herz von der Bitterkeit gezeichnet war. Gefangen im Netz des Dämons der Nacht, suchte sie die Ewigkeit in den Schatten – bis das Schicksal in Gestalt goldener Schwingen zu ihr herabstieß.
Es war kein sanfter Übergang, sondern ein Weltenbrand der Seele. Als sie den Bund mit dem goldenen Vogel, dem Wissenswahrer der Nebel, einging, zerbrach der Fluch der Zeit an der Unendlichkeit des Lichts. Verstoßen vom Dunkel, das sie einst Heimat nannte, und gejagt in den Wirren eines blutigen Bürgerkriegs, legte sie ihre Titel wie ein altes Gewand ab. Aus der Asche des Savash Nebula erhob sich die Hüterin – geboren aus Verrat, gestärkt durch das Licht.
Sie ist nicht länger die Beute. In den Hallen von Myrrth wurde sie zur unerbittlichen Jägerin jener Kreaturen, die sich vom Leid der Sterblichen nähren. Ihr Antlitz ist gezeichnet von der Maske der Hüter, die in der astralen Welt weit mehr ist, als nur Bemalung: Sie ist ein Zeichen der Macht der Nebel, das beendet, was sie war und ihre Bestimmung offenbart. Tief verborgen unter ihrer Kapuze, durchschreitet sie die Welten.
Bei jedem Schritt kündet das feine Klingen einer Glocke von ihrer Ankunft – ein goldener Ton, der vom Ende der Finsternis kündet. Wo ihr Blick auf die Welt fällt, offenbaren sich die Lügen; wo ihr Schatten das Land berührt, erzittern die Strigoi.
Sie trägt die Siegel ihrer Heimat Almessa wie eine Rüstung des Geistes, ein weißer Sturm, der bereit ist, die Finsternis und ihre Kreaturen bis in alle Ewigkeit hinfort zu fegen.
Sie steht jenseits der Gezeiten, eine zeitlose Wächterin im Zeichen des Lichts und der ewigen Nebel. Sie ist die Ruhe vor dem Sturm, eine stille Beobachterin der Geschicke der Welten.
Die die Ihr in der Finsternis weilt, fürchtet ihren Ruf:
„Geboren in den Nebeln,
älter als die Zeit,
durchschreiten wir Äonen,
dem Licht den Weg zu ebnen,
in die letzte Schlacht, am Ende der Zeit.
Denn wir sind die Hüter,
wir sind das Licht,
wir sind das Gute
und das Sein selbst“
„Möge deine Stille die Tiefe des Donners sein und dein Atem der heraufziehende Sturm, Hüterin des Lichts.“

Aus dem Reisejournal der Hüterin
Das Siegel des Verlusts
„Ich sehe den Ring in meiner Hand, und die Welt um mich her gefriert zu ewigem Eis. Die Worte der Fee waren wie ferner Donner, den ich nicht hören wollte – doch das kalte Metall in meiner Handfläche sprach die bittere Wahrheit. Das Licht, jenes grausame Licht, hatte ihn mir genommen. In jenem Augenblick, als die Trauer mein Herz zu zerreißen drohte, begegnete ich seinem Blick: Zellos. Ein Fremder, ein Rätsel im Schatten, dessen Präsenz mich zwang, den Atem anzuhalten. Es war die Geburtsstunde einer Zerrissenheit, die mich bis heute begleitet – der Moment, in dem ich begriff, dass jeder Pfad mit Opfern gepflastert ist.“
Der Zorn der Betrogenen
„Die Dunkelheit, der ich so lange diente, offenbarte ihr wahres, hässliches Antlitz. Ich sehe mich selbst, wie ich vor der Kreatur stehe, die ich einst Heimat nannte, und erkenne nur noch die Leere in ihren Augen. Der Verrat brannte heißer als jedes Feuer. Sie verstießen mich, weil ich nun den Glanz des goldenen Vogels in mir trug – ein Licht, das sie blendete und das sie vernichten wollten. In den Ruinen meines alten Lebens schwor ich: Ich werde nicht länger die Handlangerin der Nacht sein. Ich werde ihre Jägerin sein. Jede Träne, die ich in jener Nacht vergoss, härtete zu einem glühenden Kristall meines Zorns, bis nur noch die eiserne Entschlossenheit der Hüterin übrig blieb.“
Der Anker der Menschlichkeit
„Sein Blick findet mich, ohne Zögern und für einen Moment erscheint alle Last so viel leichter. Er ist nicht nur meine Unsterblichkeit, er ist der Wächter meiner Menschlichkeit. Er ist derjenige, der meine Essenz bewahren wird, wenn mein Licht verlischt, um sie sicher zurück in die ewigen Nebel zu tragen. Sein Dasein erinnert mich daran, dass dieses Licht nur brennen kann, solange es ein Herz gibt, das bereit ist, es zu bewahren. Er ist mein Anker der Menschlichkeit, er ist der, der den Sturm beruhigen kann.“
Die Gründersteine

Ein Gespräch in einer Hafentaverne
Gast1: Sach mal... warum haben eure Städte so komische Namen?
Barmann: Dat sin Namen vone Dämonen!
Gast1: Watt soll dat denn?
Barmann: Dat is wegen de Steine.
Gast1: Watt denn jetz für Steine?
In einer schattigen Ecke nahe der Bar glüht eine lange, dünne Pfeife kurz auf und hüllt die Nische in grünlichen, würzig riechenden Rauch.
Gast2: Wollt Ihr die Geschichte hinter den Steinen hören? Dann habt Ihr was zu erzählen wenn Ihr wieder nach Hause kommt. Die Gestalt nimmt einen weiteren Zug aus der Pfeife, irgendwo tickt eine Uhr.
G1: Solang ich dir nix ausgeben muss un et spannend ist... leg ma los.
G2: So begab es sich also...
G1: Nich so schwülstig man...
G2: Also einfacher... Dieses Land wurde gegründet von Fahrenden, von Gejagten und Verfolgten. Hier, in diesen wilden Landen trafen sich die Gründerväter und -mütter. Hier würde es ein Ende haben! Der eine oder andere Verfolgte war an seinem Los wohl nicht ganz schuldlos. So hetzte den einen oder anderen nicht nur sein Innerer Dämon, sonder ein wirklich dazu beschworener.
-Ein weiteres Mal glüht die Pfeife auf-
G1: Die habt ihr dann totjeschlagen und eure Stadt danach benannt... Tolle Sache und schon langweilig!
G2: Guter Mann... Ihr seit hier in Almessa, nun eigentlich nur im Freihafen der Unterstadt, aber glaubt Ihr, wir machen es hier so simpel? Eines Tages wurde einer der Gründer wirklich von seinem Dämonen gefunden. Doch der gute Mann war ja kein Narr, und so hatte er, wohl weislich, eine Teufelsfalle vorbereite. Eigentlich sogar mehrere, man weis ja nie wo einer plötzlich lang läuft.-Wieder glüht die Pfeife, der leicht zimtige Geruch weht langsam zur Theke rüber
G1: Toll... nich erschlagen, sondern exogeziert... noch langweiliger. Gleich musst du einen ausgeben.
G2: Also nochmal... das hier ist Almessa! Wir verschwenden nichts! Auch keine Dämonen, erst recht keine Dämonen! So stand der also in der Teufelsfalle. Die hält nicht ewig, schon gar nicht bei einen Dämon dieser Stärke! Aber der Verfolgte war nicht der einzige Kundige vor Ort. Es wurde daran gearbeitet den Kreis zu stabilisieren. Aber auch daran den Beherrschungszauber zu brechen. Als der Zauber brach stellte sich heraus, dass der Dämon nicht zur Kooperatio...
G1: zu watt?
G2: zur Zusammenarbeit zu bewegen war. Er tobte und wütete in der Falle. Verkündete, sobald er frei sein würde, alle Seelen dieses Landstrichs, dieses Kontinent ja dieser Welt zu nehmen! So sehr unser Land auch auf Freiheit gegründet ist, so wenig konnte man das zulassen! Doch wollte man auch keine Kraft unnütz verschwenden.
G1: Also doch totschlagen.
G2: Wollt Ihr das Ende überhaupt hören?
G1: Aber mach hinne.
G2: Gut... Also den Dämonen zu bannen würde viel Kraft kosten und keinen weiteren Nutzen haben. Es begab sich aber, dass vor Ort auch Magier waren, deren Spezialgebiet das Formulieren von Dämonen Aufträgen war, dieser Kreis würde als die Architekten bekannt werden, denn auf Ihren Runen würde man Städte bauen. Sie schufen einen schwarzen Monolithen mit den Maße 1 mal 4 mal 9 Meter. Auf seine Seiten gravierten sie einen bindenden Auftrag. Dann wurde der tobende und fluchende Dämon in der Stein gebannt. Und so sehr er auf fluchte und sich wand, so wusste er, dass er verloren hatte. Auf diesem Monolithen wurde eine Stadt errichtet. Der Dämonenauftrag besagte, sollte der Stein gebrochen werden, so ist der Dämon gezwungen, die Gefahr, welche der Stadt gerade droht zum Vorteil der Bewohner der Stadt abzuwenden. Danach muss der Dämon auf seine Heimatebene zurückkehren und darf danach nie wieder das Land Almessa betreten, ob beschworen oder auf Reisen.
G1: Un deshalb haben eure Städte so komische Namen.
G2: Und deshalb heißen alle unsere Städte nach Dämonen. Aber das ist alles lange her. Manche sagen es ist eine Geschichte, manche sagen es ist die Wahrheit. Ich jedoch sage, dass sich das Kriegsglück bei manchen Belagerungen zu plötzlich und unwahrscheinlich gewendet hat.
-Die Pfeife glüht lange und hell auf. Durch den Dunst kann man den Gold schwarzen Stern am Kragen des Mannes erkennen. Er steht auf und wirft dem Barmann eine Münze zu.
G2: Die Runde geht auf mich, weil Ich deine Gäste gelangweilt habe.
-Als er die Bar verlassen hat, ist auch die Uhr verstummt...